Am vergangenen Samstag, den 29. März 2025, schafften es die Schwarzaer Judoka zum mittlerweile 18. Mal, ihren traditionellen Heimwettkampf, den Heidecksburg-Pokal, auf die Beine zu stellen. Das weiße Gold in Form von Porzellan-Medaillen und -Pokalen war auch in diesem Jahr wieder schön anzusehen und heißbegehrt. An dieser Stelle möchten wir uns bei Thomas Kämmer und der Volkstedter Porzellanmanufaktur Christel Kämmer bedanken, die diese besonderen Stücke angefertigt und die Pokale sogar gesponsert haben.
Nach der Eröffnung um halb zehn durch Altabteilungsleiter Thomas Schauseil standen sich in der Dreifelderhalle der Friedrich-Schiller-Regelschule insgesamt 236 Judoka (144 Jungen, 92 Mädchen) der Altersklassen U10 und U13 auf fünf Tatamis gegenüber. Neben 25 Thüringer Vereinen schickte auch jeweils ein sächsischer und ein bayerischer Verein seine Kämpfer ins Rennen, sodass insgesamt 27 Vereine am diesjährigen Heidecksburg-Pokal beteiligt waren.
Die Schwarzaer Gastgeber traten mit 18 Sportlerinnen und Sportlern an, die insgesamt drei erste, fünf zweite und drei dritte Plätze einstrichen. In der U10 sehen die Detailergebnisse so aus: Arthur Safullin (-30,6 kg; 1. Platz), Heinrich Klein (-37,4 kg; 1. Platz), Lotta Zoe Fasold (-42,4 kg; 1. Platz), Daniil Davydenko (-30,6 kg; 2. Platz), Demian Bekar (-37,4 kg; 2. Platz), Leonard Reuschel (-40,7 kg; 2. Platz), Tymur Romanenko (-66,3 kg; 2. Platz), Silas Schlegel (-40,7 kg; 3. Platz), Illia Aleksieiev (-66,3 kg; 3. Platz), Juna Kelm (-38,6 kg; 4. Platz). Die U13 schnitt wie folgt ab: Michele Böhm (-43,0 kg; 2. Platz), Timofii Sosnov (-55,0 kg; 3. Platz), Viktor Adam (-55,0 kg; 4. Platz), Paula Karol (-30,0 kg; 4. Platz), Kamila Matskiv (-36,0 kg; 4. Platz), Johannes Koroknai (-40,0 kg; 5. Platz), Jonas Rahn (-31,0 kg; 7. Platz), Hugo Köhler (-31,0 kg; keine Platzierung).
Mit dieser starken Leistung schob sich der SV 1883 Schwarza vor fast alle anderen Vereine und belegte in der Gesamtwertung den vierten Platz. Geschlagen geben musste er sich nur den drei Erstplatzierten, dem JC Jena, dem PSV Erfurt sowie dem JSC Stotternheim, die die drei Mannschaftspokale mit nach Hause nahmen. Neben den drei „offiziellen“ Pokalsiegern, denen wir an dieser Stelle herzlich gratulieren, gab es aber noch einen vierten, „inoffiziellen“ Pokalsieger, der möglicherweise der größte Sieger von allen ist: Das Ehrenamt.
Viele wissen es nicht, aber für eine Abteilung mit rund 120 Mitgliedern ist die Organisation und Durchführung eines Wettkampfs, wie der Heidecksburg-Pokal einer ist, eine Mammutaufgabe. Eine Halle muss angemietet, Matten und Technik organisiert und aufgebaut, ein ganzes Catering auf die Beine gestellt, eine Ausschreibung gemacht, Meldungen entgegengenommen, Kampfrichter organisiert, Helfer angeschrieben, sich mit dem Thüringer Judoverband (TJV) koordiniert werden usw. usf. Diese Liste ist noch lange nicht vollständig. Ohne viele, viele helfende Hände vor, während und nach den Kämpfen würde es nicht funktionieren, und selbstverständlich gehören diese Hände nicht den Mitarbeitern von professionellen Unternehmen, sondern Ehrenamtlern, Mitgliedern, Sportlern, Familienangehörigen, Freunden und Sympathisanten. In Zeiten schwindenden ehrenamtlichen Engagements und rückläufiger Mitgliederzahlen in Sportvereinen sind immer weniger Vereine überhaupt noch in der Lage dazu, ein eigenes Turnier auszurichten. Denn Ehrenamt bedeutet am Ende nichts anderes als das Leisten unentgeltlicher Arbeit nach und neben der Erwerbsarbeit, der Schule oder dem Studium und damit den unbezahlten Einsatz von (knapper) Freizeit, Feierabenden und Wochenenden, die man nicht mehr zurückbekommt, um sie anderweitig zu nutzen.
Daher wollen wir an dieser Stelle kurz innezuhalten, um diejenigen zu würdigen, die nach wie vor ehrenamtlich tätig sind, und ihnen die Gelegenheit geben, einmal selbst zu Wort zu kommen. Wir haben unsere Helfer gefragt, was sie in diesem Jahr ganz persönlich dazu motiviert hat, beim Heidecksburg-Pokal mitanzupacken.
Petra Herlitze und Annett Giller, die seit vielen Jahren das Catering federführend verantworten, ließen uns folgendes Statement zukommen: Wir machen mit, weil wir gern die Kinder- und Jugendarbeit der Abteilung Judo unterstützen, weil es Spaß macht, es dadurch seit Jahren bestehende Freundschaften gibt und es kommen immer neue dazu. Durch die Einnahmen werden gemeinsame Aktivitäten wie Wanderungen, Besuche im SAALEMAXX, Weihnachtsfeiern etc. möglich.
Mario und Monique Rahn äußern sich so: In vielen Vereinen sind es die ehrenamtlichen Helfer, die den Betrieb am Laufen halten. Doch viel zu selten wird diese wertvolle Arbeit wirklich gewürdigt. Oft wird sie als selbstverständlich angesehen, und das Engagement der Freiwilligen bleibt im Hintergrund. Dabei investieren diese Menschen nicht nur ihre Zeit, sondern auch Herzblut und Energie in ihre Aufgaben. Ein einfaches Dankeschön, eine öffentliche Anerkennung oder kleine Gesten der Wertschätzung können einen großen Unterschied machen. Genau aus diesem Grund engagieren wir uns selbst in unserem Verein, da unser Sohn dort trainiert. Wir sehen aus erster Hand, wie viel Zeit und Mühe in die Organisation gesteckt wird – sei es für Trainingseinheiten, Turniere oder Fahrdienste. Ehrenamtliche Arbeit verdient mehr Aufmerksamkeit und Respekt. Es wäre wichtig, dass sich mehr Menschen – gerade Eltern, deren Kinder direkt davon profitieren – engagieren. Denn nur gemeinsam können wir das Vereinsleben lebendig und erfolgreich gestalten.
Die Mutter einer Judoka gab uns folgende Antwort: Als ich gesehen habe, wie toll mein Kind im Verein bereits beim Schnuppern aufgenommen worden ist, und ich sah, wie liebevoll die Trainer mit den Kindern umgehen und was sie ihnen ermöglichen, wusste ich, dass ich gern den Verein mit meiner Tatkraft unterstützen möchte. Das Gefühl von Zugehörigkeit, dass sie meinem Kind geben, möchte ich damit danken.
Annett Billgow von den Schwarzaer Saalefechtern, die am Samstag zum ersten Mal den Sanitätsdienst mit abgesichert hat, teilte uns mit: Ich bin seit knapp eineinhalb Jahren beim SV 1883 Schwarza in der Abteilung Historischer Schwertkampf aktiv. Für mich ist es selbstverständlich, wenn es sich zeitlich einrichten lässt, im Verein auch zu helfen. Es wird alles teurer und eine offizielle medizinische Absicherung über die Kreisverbände können sich Vereine oft gar nicht mehr leisten. Wir gehören zur Judoabteilung, der wir viel zu verdanken haben, sodass wir auf diese Weise auch etwas zurückgeben können. Außerdem bin ich hauptberuflich im Rettungsdienst beim DRK tätig, sodass die Aufgabe der medizinischen Absicherung natürlich gut passt und mir viel Spaß macht.
Britta Köstner, deren Sohn in der Gruppe von David Keller mittrainiert, erklärt, warum es bedeutend ist, dass Veranstaltungen wie der Heidecksburg-Pokal nach wie vor stattfinden: Der Wettkampf um den Heidecksburg-Pokal war auch für die nicht kämpfenden Judoka eine gute Gelegenheit, sich aktiv ins Geschehen einzubringen, da sie bspw. an den Anzeigen ihren Mannschaftskameraden mit ihrem Beitrag hilfreich zur Seite stehen konnten. So waren sie ein wichtiger Bestandteil des „Teams Schwarza“ und ganz nah dran. Außerdem fanden sie nach den Wettkämpfen beim gemeinsamen Matten aufräumen genug Zeit, sich mit den aktiven Kämpfern auszutauschen und so manche Situation noch einmal zu besprechen, sich gemeinsam zu freuen, gemeinsam zu ärgern. Die Sportler, egal ob sie sich seit Jahren kennen oder erst seit Kurzem mit dabei sind, zeigten somit eins – Gemeinschaftsgeist durch und durch.
All das zeigt, wie wichtig es ist, weiterhin ehrenamtlich tätig zu sein und das Ehrenamt zu unterstützen. Jeder, dem etwas am Sport, insbesondere am Kinder- und Jugendsport, liegt, kann dies auf vielfältigen Wegen tun. Ohne die dutzendfache Unterstützung der Abteilung Judo und des SV 1883 Schwarza, von der die aufgeführten Beispiele nur ein paar von ganz vielen sind, gäbe es weder einen Heidecksburg-Pokal noch andere Angebote wie Halbjahresfeiern oder Jugendfreizeiten, die dazu da sind, das Zusammengehörigkeitsgefühl der jungen Mitglieder zu stärken. Aus diesem Grund möchten wir an der Stelle im Namen des Vorstands der Abteilung Judo und ich denke, dass ich nicht zu anmaßend bin, wenn ich auch den Vorstand des SV 1883 Schwarza mit hineinnehme, ein großes, großes Dankeschön an all die vielen großartigen Ehrenamtler, freiwilligen Helfer und Unterstützer unserer Abteilung und unseres Vereins richten, und sie hochleben lassen. Ihr seid spitze! Auch ich hoffe, mit meiner bescheidenen Berichterstattung einen kleinen Teil zum Erfolg beitragen zu können und bin dankbar, Teil des Teams sein zu dürfen, denn auch die organisierte und koordinierte Kommunikation nach außen gehört zu einem modernen und professionellen Verein heutzutage einfach dazu.
Wenn alle Schwarzaer Judoka, die Alten wie die Neuen, weiterhin so großartig an einem Strang ziehen, wie sie das in den vergangenen Jahren getan haben, dann sehen wir uns an dieser Stelle im nächsten Jahr zum 19. Heidecksburg-Pokal wieder und im übernächsten dann zum großen 20. Jubiläumsturnier. Es lebe der Sport und es lebe das Ehrenamt!
01./02.04.2025, Welf K. Schauseil
Erwärmung U10
Eröffnung
Kämpfe U10
Erwärmung U13
Kämpfe U13
Fotos: Welf K. Schauseil